Meldung vom 24.06.2026

Michel Decar gewinnt mit „Seegefecht bei Helgoland“ den 1. Jura Soyfer Preis, initiiert vom Volkstheater

Die Uraufführung des Textes findet in der Spielzeit 2027/28 im Volkstheater statt.
Michel Decar © Constantin Riess

Gewinner des 1. Jura Soyfer Preises 2026

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Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen!
 
Michel Decar gewinnt den 1. Jura Soyfer Preis – Autor:innen-Wettbewerb für die Komödie der Gegenwart!
 
Zum ersten Mal wird der vom Volkstheater initiierte und mit EUR 30.000,- dotierte „Jura Soyfer Preis“, großzügig von der Edith und Werner Rieder Stiftung gefördert, verliehen. Bereits im April wurden die fünf Finalist:innen, welche sich unter den insgesamt 137 Bewerber:innen durchsetzten, bekannt gegeben. Die Fachjury, bestehend aus Nora Abdel-Maksoud (Dramatikerin & Regisseurin), Margarete Affenzeller (Kritikerin, Der Standard), Karin Henkel (Regisseurin), Pia Hierzegger (Schauspielerin & Autorin) und Tobias Schuster (Leitender Dramaturg, Volkstheater), hat nun mit Michel Decars „Seegefecht bei Helgoland“ den Gewinner gekürt.
 
Seegefecht bei Helgoland
 
Zwischen Sprossenwänden und Gummimatten ihrer Turnhalle, gewandet in wiederverwertete Vogelkostüme, zeigt eine Klasse das „Seegefecht bei Helgoland“. Angeleitet von der formal ehrgeizigen Lehrerin Edith Böck (Deutsch-Latein-Darstellendes Spiel), die das Geschehen am Klavier begleitet, lassen Songs und Szenen den 9. Mai 1864 wiederaufleben, an dem sich Seestreitkräfte Österreichs und Dänemarks in der Nordsee duellierten. Irgendwo zwischen Lehrstück und Schultheatersatire thematisiert Decars Stück die Darstellbarkeit von Krieg, die Perspektive Beobachtender bzw. Berichterstattender und fragt – ganz konkret – nach Ehre, Schicksal und Heldentum.
 
„Michel Decar ist mit „Seegefecht bei Helgoland“ eine gleichermaßen witzige wie politisch relevante und formal innovative Komödie gelungen. Sprachlich kunstvoll ausgearbeitet, fängt der Text die Perspektiven unterschiedlicher Generationen auf eine von Krieg und Gewalt geprägte Gegenwart ein. Besonders überzeugt hat uns die Originalität des Sujets, das zugleich Herausforderung und Geschenk für Regie und Spielende ist. Decar reflektiert über die Frage, wie sich Krieg im Theater repräsentieren lässt – und damit über das gesellschaftliche Potential der Kunstform selbst. Er knüpft damit beispielhaft an die politisch engagierte Dramatik Jura Soyfers an und verliert bei aller Ernsthaftigkeit in keiner Sekunde den Humor“, erklärt die Jury die Wahl des eingereichten Textes „Seegefecht bei Helgoland“ von Michel Decar.
 
„Für mich ist es eine große Ehre, mit dem Namen Jura Soyfer in Verbindung gebracht zu werden. Und eine Freude ist es, mit dem Volkstheater Wien arbeiten zu dürfen. Mein Dank gilt der Edith und Werner Rieder Stiftung und der Jury. Ich bin sehr glücklich“, freut sich Michel Decar über die Verleihung des 1. Jura Soyfer Preises.
 
 
Michel Decar wurde 1987 in Augsburg geboren und studierte Germanistik und Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort inszenierte er auf der Studiobühne auch seine ersten Stücke selbst. Anschließend studierte Decar Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Seither arbeitet er als Autor, Regisseur und Filmemacher. Zusammen mit Jakob Nolte hat er Theaterstücke auch unter dem Namen „Nolte Decar“ geschrieben, von denen er „Das Tierreich“ – wie viele seiner eigenen Stücke – auch als Hörspiel inszeniert hat. 2020 produzierte Deutschlandradio Kultur zudem sein Originalhörspiel „Die besten Sprüche aller Zeiten“. Seine Theaterstücke wurden an über 50 Theatern im In- und Ausland gespielt, unter anderem am Thalia Theater Hamburg, Maxim Gorki Theater und Residenztheater München. 2018 erschien sein erster Roman „Tausend deutsche Diskotheken“ im Ullstein Verlag. 2020 lief sein Kurzfilm „Europa zum Beispiel“ im Wettbewerb des Max Ophüls Preis.
 
Die Uraufführung des Gewinnerstücks „Seegefecht bei Helgoland“ von Michel Decar findet in der Spielzeit 2027/28 am Volkstheater statt.
 
 
Ein Dramatikpreis, der eine Lücke schließt
 
Die hohe Anzahl von insgesamt 137 Bewerber:innen bei der ersten Ausschreibung zeigt, wie wichtig, gefragt und überfällig dieser neue Dramatikpreis ist, der jetzt zu den höchstdotierten Dramatikpreisen des deutschsprachigen Raumes zählt und sich im Gegensatz zu vielen wichtigen Nachwuchspreisen an erfahrene Dramatiker:innen richtet.
 
„Die Liste der Bewerber:innen las sich wie ein Who is Who der zeitgenössischen Dramatik. Über das große Interesse vieler uns verbundener Autor:innen haben wir uns extrem gefreut – und der Auswahlprozess ist uns sehr schwergefallen. Es hat sich gezeigt, dass dieser neue Preis einen Nerv in der Autor:innen-Szene getroffen hat“, so Tobias Schuster, Leitender Dramaturg am Volkstheater.
 
Der Jura Soyfer Preis wird 2028 erneut verliehen.
 
„Der neu gegründete Jura-Soyfer-Preis ist uns ein Herzensprojekt, deswegen freuen wir uns sehr, ihn fortsetzen zu können. Wir wollen damit große Autor:innen ermutigen, zur politischen Kraft des Lachens zu arbeiten. Ganz im Sinne von Jura Soyfer, mit dessen Stücken ich im Herbst 2025 meine Direktion eröffnet habe“, so Jan Philipp Gloger, Künstlerischer Direktor des Volkstheaters.
 
Die neue Ausschreibung geht im Sommer 2026 online. Die Ausschreibung in Form eines mehrstufigen Wettbewerbs richtet sich an erfahrene Autor:innen. Entstehen sollen neue Stücke für die große Bühne, die an eine Tradition des politischen Humors anknüpfen.
 
 
Das Volkstheater bedankt sich bei der Edith und Werner Rieder Stiftung sowie allen Bewerber:innen und gratuliert den Finalist:innen Svenja Viola Bungarten, Teresa Dopler, Steffen Link, Theresia Walser und ganz besonders Michel Decar zu seinem Gewinn des 1. Jura Soyfer Preises.
 
Eine Auswahl an Bildern zu Michel Decar finden Sie hier zum Download.
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Mit freundlichen Grüßen
Patrizia Büchele und Carolin Obermüller
 
 
Mit großzügiger Unterstützung der Edith und Werner Rieder Stiftung.
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Michel Decar
4 569 x 6 092 © Constantin Riess

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